Hinterhalt von allen Seiten (Ambush on all sides)

Pipa solo (Komponist:Anonym, 19. Jahrhundert)

Die vier Saiten der Pipa erzählen hier variantenreich den Hergang einer bewegten Schlacht in der chinesischen Geschichte (202 a.C.). Nach dem Ende der Quin-Dynastie entbrannte ein bitterer Kampf um die Krone unter den Armeen Chus und Hans, der in einer bewaffneten Auseinandersetzung unter ihren Anführern Xiang Yu und Liu Bang gipfelte. Schließlich belagerten 300.000 Han Soldaten Xiang Yu's 100.000 Mann starke Armee unter Chu. Zwar durchbrach Xiang Yu mit 800 Reitern die übermächtige Belagerung durch Han's Streitkräfte, doch verfolgt von 5000 Reitern unter Liu Bang, sah sich Xiang Yu schließlich gezwungen, nach einem erbitterten und aussichtslosen Kampf am Wuijang Fluss Selbstmord zu begehen.Virtuos reflektiert das Stück das Auf und Ab der Geschehnisse, so dass sie sich vor dem inneren Auge des Zuhörers abzuzeichnen beginnen.

Mondhelle Nacht über dem Frühlingsfluss (Moonlit Night On The Spring River)

Ensemble (Komponist: Anonym. 7th)

Schon seit über 100 Jahren inspiriert dieses Stück mit seiner Harmonie und Schönheit. Es geleitet den Zuhörer in eine Traumwelt, in welcher der helle Mond sein silbernes Licht über den Yangtze Fluss gießt und ein Frühlingsblumenduft in der Luft schwebt.
Der Titel entstand aus einem Yuefu-Gedicht des Dichters Zhang Ruoxu ( 660-720) der frühen Tang Dynastie.
Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens erkennt der Dichter die menschliche Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit, indem er die Endlichkeit des menschlichen Lebens mit der Ewigkeit und der ständigen Erneuerung der Natur, symbolisch verkörpert im Mondzyklus, vergleicht.
Die zurückhaltende Melodie der Vertonung, der flüssige rythmische Takt, zusammen mit der zufälligen Orchestrierung, malen gemeinsam das Bild einer ruhigen Szene eines Flusses in einer mondhellen Nacht im Frühling.

Die häufig in der Volksmusik eingesetzte Technik der immer neu wiederholten Phrasen, die sich scheinbar gegenseitig jagen, vermitteln dabei einen lebendigen Eindruck von Wasserbewegungen.

Das Lied der Fischer im heimkehrenden Boot (The Song of Fishermen on Homebound Boat)

Ensemble (Komponist: Anonym. Angepasst von Lou Shuhua in den Dreißiger Jahren)

-ist traditionell ein Solo für das Guzheng. Das Stück beschreibt die heitere Laune der Fischer, wenn sie nach ihrem Tagewerk zurück kehren und sich dabei über die schöne, in das Zwielicht der untergehenden Sonne getauchte Landschaft freuen.

Die tiefe Nacht (The Deep night)

Ghuzheng solo (Komponist: Anonym, entstanden um 1910)

ist ein Auszug aus der berühmten Pekingoper „Lebewohl, meine Konkubine“
Die Handlung spielt sich während der westlichen Han-Dynastie (207 v. bis 9 n. Chr. )ab: In teils dramatischen Klängen wird erzählt, wie General Han Hsien den König von Chu Hsiang Yu bei Keh Shia belagert. Dabei lässt Han Hsien seine Soldaten die Lieder von Hsiang Yu's Heimatstadt singen. Als Hsiang Hu außerhalb des Lagers die wohlbekannten Klänge vernimmt, glaubt er, dass Ha Hsien bereits sein ganzes Land und seine Leute gefangen genommen hat. Yu Chi, die Lieblingskonkubine von Hsiang Yu, versucht ihrem Herrn zu gefallen und seine Anspannung zu lockern, indem sie ein letztes Mal einen Schwerttanz für ihn tanzt. Danach bringt sie sich als Beweis ihrer Loyalität um.

'Er Quan Ying Yue (Der Mond der sich in der zweiten Quelle spiegelt)

Erhu solo (Komponist: Hua Yanjun in 1940s)

Chinas bekanntestes Erhu-Stück, wurde von Ah Bing (richtiger Name: Hua Yanjun) komponiert und auf der Erhu gespielt. Kurz vor seinem Tod im Jahr 1950 nahmen zwei chinesische Musikwissenschaftler das Spiel des blinden Straßenmusikers auf.
Das Werk hat zwei Themen, die ergänzend ineinander greifen und schließlich subtil miteinander verschmelzen. Schritt für Schritt und Variation auf Variation, steigen und fallen die zwei Themen mit Leichtigkeit. Die Crescendos zeugen insbesondere von dem stählernen und unbeugsamen Geist des Komponisten.
Es offenbart sich eine reichhaltige Gefühlspalette zwischen Frustration, unendlicher Liebe und Stolz auf einen hartnäckigen Überlebenswillen.
Kräftige Variationen in der Bogentechnik reizen die fünf Handpositionen voll aus. Das Resultat ist eine stark emotionale Färbung, die den unterdrückten Kummer des Komponisten wiederspiegelt, welcher das bittere Leben in der alten Gesellschaft in aller Schärfe am eigenen Leib gespürt hat.

Herbstmond über dem ruhigen See (Autumn Moon over the Calm Lake)

Guangdong Musik (Komponist: Lue Wencheng. 1930)

ist ein charakteristisches Stück von Lu Wencheng, des Meisters der Guangdong Musik (einer Provinz in Südchina). Er komponierte es um seine Bewunderung für die schöne Szenerie des Westsees, den er bei einem herbstlichen Besuch in Hangzhou sah, auszudrücken. Schon in uralten Zeiten wurde der Westsee als ein wunderbarer Ort der Stille betrachtet, und die Musik beleuchtet die Atmosphäre des Ortes mit seelenruhiger Geschmeidigkeit. Das Lied vereint Elemente der Zhejiang Folk Musik (aus dem Südosten) mit dem südchinesischen Guangdong Stil. Ein klassisches Werk des 20. Jahrhunderts, ist es zudem eins der schönsten Beispiele für die Ling-Nan Musik (Qing-Dynastie).

Hunderte Vögel in Anbetung des Phönix (Hundreds of Birds Adoring the Phoenix)

Suona solo (Komponist: Anonym. Angepasst von Ren Tongxiang, im Jahre 1953)

Das bekannteste Suona-Stück, eine Hommage an den Phoenixvogel, ist in den Provinzen Shandong, Anhui, Henan und Hebei besonders beliebt.
Vor dem Hintergrund des Begleitorchesters imitiert eine energische Suona das Gezirpe und Gezwitscher fliegender Vögel. In der verblüffenden Ähnlichkeit zum Original schlägt sich die Liebe der Menschen zur Natur und die meisterhafte Spielkunst der Artisten nieder.
Im Chinesischen steht der mythische Phoenix nicht für 'Tod und Wiederauferstehung', sondern als traditionelles Symbol für Reichtum, günstige Gelegenheiten und Glück.

 

 

(Text von Tanja Brouwers)